Mit der Logistik-HAK setzt Wien auf eine Ausbildung mit Matura und Lehrabschluss. Warum das für junge Talente echte Karrierechancen bedeutet, erklärt Davor Sertic im Interview.
Herr Sertic, was war für Sie persönlich der wichtigste Beweggrund, eine eigene Logistik-HAK auf den Weg zu bringen?
Ich weiß aus meinem eigenen Unternehmen und meiner Zeit als Wiener Branchenobmann, dass top ausgebildete Fachkräfte eine zentrale Erfolgsvoraussetzung sind. Zudem ist die Logistik eine absolute Wachstumsbranche. Wir haben heute um ein Viertel mehr Speditionen in Wien als noch vor zehn Jahren. Diese suchen händeringend nach Fachkräften. In der Logistik-HAK erhalten junge Menschen eine schulische Spitzenausbildung, die ihnen das Rüstzeug für eine tolle Karriere mitgibt.
Welche Fähigkeiten und Kompetenzen sollen Absolvent:innen der Logistik-HAK idealerweise mitbringen, um in der Branche erfolgreich zu sein?
Generell braucht es im Transportwesen ein logistisches Grundverständnis – also Interesse und Verständnis für Lieferketten, Transportabläufe, Lagermanagement, internationale Handelswege und Warenströme, aber auch für Nachhaltigkeit in der Logistik. Auch digitale Tools sind in der Branche längst Teil des Alltags. Weil die Logistik ein internationales Feld ist, ist Mehrsprachigkeit ein absolutes Plus. Und last, but not least sind auch social skills wie Teamfähigkeit, Organisationstalent und Kommunikationsstärke gefragt. All das wird den Schülerinnen und Schülern an der Logistik-HAK mitgegeben.
Welche Rückmeldungen bekommen Sie bisher von Unternehmen – entspricht die Logistik-HAK den Erwartungen der Wirtschaft?
Die Logistik-HAK läuft erst seit einigen Monaten, als Freifach gab es Logistik aber schon davor einige Jahre lang. Grundsätzlich ist das Interesse der Branchenbetriebe an diesem Ausbildungszweig groß. Die Schülerinnen und Schüler erwerben mit der Matura auch einen Lehrabschluss als Speditionskauffrau bzw. -kaufmann. Damit verfügen sie über ein breites Allgemeinwissen und Logistik-Fachkenntnisse – eine Kombination, die in der Berufswelt generell gefragt ist. Und die Ausbildung stößt auch bei den Jugendlichen auf reges Interesse – die Nachfrage war weitaus höher als die vorhandenen Klassenplätze.
Wo sehen Sie die größten Herausforderungen in der Nachwuchsförderung in der Logistik in den kommenden Jahren?
Der Wettbewerb um Nachwuchstalente wird noch intensiver werden. Die Logistik muss sich daher als zukunftsorientierte Branche mit praxisnaher Ausbildung, spannenden Berufsfeldern und exzellenten Karrieremöglichkeiten positionieren und im Bewusstsein der Jugendlichen und anderer Meinungsbildner verankern. Um junge Menschen für unsere Branche zu gewinnen, müssen wir die technologische, nachhaltige und vielfältige Seite der Logistik hervorstreichen und ihnen praxisnahe Einblicke sowie transparente Entwicklungswege bieten.