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Schwerlast am Limit

© Hämmerle Spezialtransporte

Fabian Hämmerle, Geschäftsführer von Hämmerle Spezialtransporte

Mein Einstieg in die Welt der Schwertransporte war kein klassischer Karriereplan, sondern gewissermaßen vorgezeichnet. Ich führe unser Unternehmen in zweiter Generation – und damit war der Kontakt zu außergewöhnlichen Transporten von klein auf Teil meines Alltags. Schon als Kind durfte ich meinen Vater begleiten, wenn tonnenschwere Bauteile ihren Weg an ungewöhnliche Orte fanden. Ein Erlebnis ist mir besonders im Gedächtnis geblieben: Mit nicht einmal zehn Jahren half ich bei der Nachlenkung eines 42 Meter langen Stahlträgers, der zur neu errichteten Sporthalle des Handballclubs Hard gebracht wurde. Spätestens da war klar: Dieses „Fieber" lässt einen nicht mehr los.

TRANSPORTE, DIE KEINE FEHLER VERZEIHEN

Schwertransporte – vor allem im alpinen Raum – sind eine Disziplin für sich. Enge Kurvenradien, massive Steigungen und Straßen, die für Standardfahrzeuge nie gedacht waren, machen jeden Einsatz zu einer Herausforderung. Nichts passiert zufällig, alles basiert auf exakter Vorbereitung. Innovative Fahrzeuglösungen sind dabei entscheidend: Auflieger mit maximalem Lenkeinschlag, hydraulischem Höhenausgleich der Achsen oder spezielle Sattelplatten, die neben der Querneigung auch Längsneigungen ausgleichen können. Ohne diese Technik wären viele Projekte schlicht nicht umsetzbar.

Oft beginnt unsere Arbeit lange vor dem eigentlichen Transport. Architekten oder Projektentwickler kontaktieren uns teils Jahre im Voraus mit einer zentralen Frage: Ist ein Transport in dieser Dimension an einem bestimmten Ort überhaupt möglich? Genau hier zeigt sich, wie wichtig Erfahrung und Know-how sind. Streckenprüfungen erfolgen entweder digital – mithilfe von KI-gestützten Routenanalysen und Schleppkurvenberechnungen – oder ganz klassisch vor Ort, indem Kurvenradien händisch vermessen werden. In besonders heiklen Fällen kommen sogar 3D-Laser-Messfahrzeuge zum Einsatz. Erst wenn die Strecke „freigegeben" ist, beginnt die detaillierte Planung inklusive Genehmigungen.

PLANUNG IST ALLES, DER TRANSPORT NUR DIE SPITZE DES EISBERGS

Was Außenstehende oft überrascht: Der eigentliche Transport macht zeitlich nur einen Bruchteil des gesamten Projekts aus. Der Großteil der Arbeit steckt in der Vorbereitung. Bei uns sind dafür ein fünfköpfiges Team in Disposition und Genehmigungsabteilung sowie ein eingespielter Fuhrpark notwendig. Wenn es dann tatsächlich losgeht, müssen Mensch und Maschine perfekt zusammenspielen. Unsere Fahrer sind hochspezialisiert und wissen, dass Präzision und Konzentration oberstes Gebot sind – Fehler verzeiht diese Branche nicht.

EUROPAWEIT UNTERWEGS – TAG UND NACHT

Unsere 20 Spezialfahrzeuge sind das ganze Jahr über im Einsatz, bei Tag ebenso wie in der Nacht. Pro Woche wickeln wir zahlreiche Schwer- und Spezialtransporte ab – quer durch Europa. Die Bandbreite ist groß: 90 Tonnen schwere Baumaschinen aus Stahl, sechs Meter breite Wohnmodule aus Holz, 40 Meter lange Brückenteile aus Aluminium oder vier Meter hohe Wandelemente aus Beton. Einschränkungen gibt es kaum – weder beim Material noch bei der Ladung. Unser Fuhrpark ist so ausgelegt, dass er sich flexibel an die Anforderungen unserer Kunden anpassen lässt.

LÖSUNGEN STATT PROBLEME

Wer im Schwertransport arbeiten will, braucht vor allem eines: lösungsorientiertes Denken. Kunden kommen nicht mit fertigen Konzepten zu uns, sondern mit Problemen. Unsere Aufgabe ist es, daraus sichere und realisierbare Transportlösungen zu entwickeln. Das gilt für alle Bereiche – vom Fahrer auf der Straße über die Disposition und Genehmigungsabteilung bis hin zur Werkstatt. Technikaffinität, Interesse an außergewöhnlichen Aufgaben und ein hohes Verantwortungsbewusstsein sind dabei unerlässlich.

Seit mittlerweile 25 Jahren verfolgen wir genau diesen Ansatz: Wir nehmen unseren Kunden die Sorge ab, wie ihre Ware sicher von A nach B kommt. Möglich ist das nur mit einem Team, das gemeinsam denkt und handelt – und mit der Leidenschaft für Transporte, die andere für unmöglich halten würden. Genau das macht den Reiz dieser Branche aus.

Fabian Hämmerle begeistert sich seit seiner Kindheit für Transporte, die andere für unmöglich halten. | © Hämmerle Spezialtransporte
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