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Pure Faszination

© Felbermayr

Gabriel Asböck, Abteilungsleitung Transport, Einbringung und Lagerei bei Felbermayr

Mein erster bewusster Kontakt mit Schwertransporten liegt weit zurück. Ich war sechs Jahre alt, als ich meinen Onkel bei Betonfertigteil-Transporten begleiten durfte. Für mich war das pure Faszination – riesige Fahrzeuge, absolute Präzision und das Gefühl, die Straße zu beherrschen. Dass ich Jahre später selbst für genau solche Projekte Verantwortung tragen würde, war damals noch nicht absehbar.

Mein beruflicher Weg begann klassisch mit einer Lehre als Speditionskaufmann bei Felbermayr in Wels. Ich hatte das Glück, mehrere Abteilungen zu durchlaufen – vom internationalen Sondertransport über nationale Großprojekte bis zur Disposition von Lade- und Mobilkränen. Dieses breite Fundament hat mir den Blick für das große Ganze geöffnet: Ein Schwertransport ist nie nur Bewegung von A nach B, sondern ein komplexes Geflecht aus Technik, Planung, Erfahrung und Vertrauen.

NACHTARBEIT MITTEN DURCH WIEN

Ein Projekt, das mir besonders in Erinnerung geblieben ist, führte uns mitten durch das Herz von Wien. Die Herausforderung lag in der Kombination aus Überbreite, Überhöhe und hohem Gewicht – und darin, eine Strecke zu finden, die all diesen Parametern gerecht wird. Allein die Streckenprüfung dauerte mehrere Nächte. Gemeinsam mit den Behörden mussten Lösungen erarbeitet werden, um Eingriffe wie Halteverbote oder Fahrten gegen die Einbahn so gering wie möglich zu halten – immer mit Rücksicht auf Anrainer und Gewerbetreibende.

Die Leerfahrt startete am Abend von Lanzendorf aus, begleitet auf höchster Stufe. Der Weg durch die Stadt hatte beinahe etwas Surreales: vorbei an bekannten Plätzen, durch das nächtliche Wien, während am Ziel bereits zwei Mobilkräne für die Verladung bereitstanden. Jedes Bauteil wurde zentimetergenau positioniert, nochmals vermessen und gesichert. Erst danach folgte ein gemeinsames Jour fixe mit Polizei, Begleitfirmen und Fahrer, bei dem jede Besonderheit der Strecke und jede Aufgabe klar festgelegt wurde.

PRÄZISION, WENN DIE STADT SCHLÄFT

Die eigentliche Lastfahrt begann gegen 22.30 Uhr – und hielt sofort die schwierigsten Nadelöhre bereit. In engen Straßenzügen mussten Verkehrszeichen entfernt, Parkplätze freigemacht und sogar Schanigärten temporär abgebaut werden. Besonders eindrucksvoll war die Fahrt über den Gürtel: Kilometerlang entgegen der Fahrtrichtung, bei vollständiger Sperre. Ohne die exzellente Unterstützung der Wiener Polizei wäre dieses Projekt nicht realisierbar gewesen.

Aufgrund des Gewichts durfte die U-Bahn nur an exakt definierten Stellen gequert werden, der Weg führte vorbei an Schönbrunn, durch Alleen, teilweise erneut gegen die Fahrtrichtung, bis zum Ziel. Dort wurde mittels Portalkran abgeladen, Werkzeuge verstaut und der Rückweg angetreten. Erst bei der kurzen Nachbesprechung wich die Anspannung – und machte Erschöpfung Platz.

TEAMARBEIT ALS ERFOLGSFAKTOR

Solche Transporte sind nicht alltäglich, auch wenn Sonder- und Schwertransporte für uns zum Tagesgeschäft gehören. Jeder Auftrag ist anders, jede Route einzigartig, jede Lösung neu. Die Planungsphase kann – wie bei diesem Projekt – bis zu zehn Monate dauern. Die Durchführung selbst nimmt vergleichsweise wenig Zeit in Anspruch. Aber jeder Tag, der in eine saubere Vorbereitung investiert wird, zahlt sich aus – für Sicherheit, Qualität und das gute Gefühl, dass alle gesund nach Hause kommen.

Wer in diesem Bereich arbeiten will, braucht vor allem eines: Teamfähigkeit. Solche Projekte gewinnt man nie allein. Mir hat es immer geholfen, den erfahrenen Fahrer:innenn zuzuhören und von ihrem Wissen zu lernen. Diese Erfahrung ist die Essenz unserer Branche. Man lernt nie aus – und genau das macht den Reiz der Schwertransporte aus.

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